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Prof.
Dr. Hannes Lohi
Via sämtlicher
Medien (Zeitschriften, Internet, Fernsehen) wendet
sich Dr. Hannes Lohi in einem öffentlichen Brief/einer
öffentlichen Ansprache an alle Hundebesitzer,
-züchter und -liebhaber Finnlands, um sein genetisches
Forschungsprojekt vorzustellen und zur Mitarbeit aufzurufen.
Uns ist wichtig, daß der Hintergrund dieser
Forschungsstudie verstanden wird, daher hier eine
deutsche Übersetzung seiner Ansprache:
"Die rasend schnelle
Entwicklung der biomedizinischen Forschung der letzen
Jahre hat die Erforschung von genetischen Erbkrankheiten
revolutioniert. Es wurden bereits tausende von Genen
entschlüsselt, welche verschiedene Erbkrankheiten
verursachen, wodurch eine bessere Früherkennung,
Vorsorge und Entwicklung von Behandlungsmethoden ermöglicht
wird.
Seit das Erbmaterial
des Hundes decodiert wurde, steht uns eine zusätzliche
Quelle zur Verfügung um noch mehr Gene zu entschlüsseln.
Der Hund ist ein Traum für Genetiker, da jede
Hunderasse eine Gruppe von ähnlichen Individuen
repräsentiert, welche auf nur wenige gemeinsame
Vorfahren zurückgeht. Die Tatsache, daß
hunderte von Hunderassen für sich eine isolierte
Population darstellen, ermöglicht uns auch die
Analyse von komplizierten genetischen Problemen. Die
meisten Rassen sind durch den Menschen künstlich
geschaffen worden, und durch selektierte Auswahl unterscheiden
sie sich in Größe, Kopfform, Fellbeschaffenheit,
Ohrenform, Verhalten und Krankheiten. Da jedes Merkmal
des Rassestandards zwingender Weise aus gleichen genetischen
Bedingungen resultiert, treten diese Gene wesentlich
deutlicher hervor als in einer Population nicht verwandter
oder genetisch unterschiedlicher Hunden.
Die große Anzahl dokumentierter Erbkrankheiten
in Rassehunden erklärt sich durch die Inzucht
des Hundes zur Entstehung der einzelnen reinen Rassen,
wodurch rezessive Alleele hervortreten. Auf Grund
aggressiver Zuchtprogramme der letzen 400 Jahre hat
der Mensch es geschafft über 400 verschiedene
Hunderassen zu erschaffen, und sie mit über 400
Erbkrankheiten zu belasten. Dieses befördert
Rassehunde direkt nach dem Menschen an die zweite
Stelle der Lebewesen, welche am häufigsten an
Erbkrankheiten leiden. Die genetische Analyse des
besten Freundes des Menschen wird helfen, verantwortliche
Gene für physikalische Bedingungen und Verhaltensmuster
zu finden, innerhalb einer jeden Rasse und auch generell
entsprechend für jede Krankheit wie Krebs, Epilepsie,
Allergien, Taubheit, Blindheit, Herzerkrankungen,
und Knochenerkrankungen.
Mehr als 60% der genetisch bedingten Krankheiten bei
Hunden sind identisch mit denen des Menschen und die
Codierungsabfolgen im Erbgut des Menschen sind denen
des Hundes ähnlicher als denen von Mäusen.
Deshalb können Hunde als Modelle dienen, die
Erbkrankheiten der Menschen besser zu verstehen und
effektivere und nebenwirkungsfreiere Therapien zu
entwickeln. Entscheidend ist dabei, daß die
Erforschung von Erbkrankheiten in Hunden die Möglichkeit
eröffnet, komplexe Erbgänge aufzuschlüsseln,
was sich beim Menschen als schwierig erweist.
Ich habe an der Universität Helsinki, Finnland,
eine genetische Forschungsstudie an Rassehunden ins
Leben gerufen. Unser Ziel ist es, verschiedene Hunderassen
mit ihren Erbkrankheiten zu erfassen, und die verantwortlichen
Gendefekte für diese Krankheiten zu identifizieren.
Genidentifizierungen werden uns DNA-Marker zur Verfügung
stellen, um somit zuverlässig kranke Hunde, gesunde
Hunde und Träger eines Gendefektes zu identifizieren.
Dieses wird den jeweiligen Rasseklubs helfen, Zuchtprogramme
neu zu gestalten, um gezielt Krankheiten innerhalb
einer Rasse zu verhindern oder gar zu eliminieren.
Dies ist extrem wichtig, da es uns ermöglicht
Träger in der Zucht zu behalten und kontrollierte
Zucht zu betreiben wenn es um Erbkrankheiten geht,
ohne den Genpool noch weiter einzuschränken.
Wir haben
einige Forschungsprojekte bei verschiedenen Rassen
gestartet. Wir haben von verschiedenen Rassen Blut
und Ahnentafeln gesammelt in Bezug auf verschiedene
Erbkrankheiten wie Epilepsie, Autoimmunerkrankungen,
Krebs, Sehstörungen und anderen neurologischen
Erkrankungen. Für den Erfolg dieses Projektes
ist es unerläßlich, daß Hundebesitzer
und Hundezüchter offen und aktiv mitarbeiten,
damit genügend DNA-Proben und klinische Daten
zusammenkommen, um eine Genidentifizierung durchzuführen.
Um diese Studien durchzuführen, brauchen wir
Blut von erkrankten Hunden (Positivkontrolle), ihren
Wurfgeschwistern und Eltern, sowie von alten und nicht
erkrankten engen Verwandten. Je mehr Proben wir erhalten,
desto schneller kommen wir zu Ergebnissen. Namen der
Hunde, Zuchtstätten, Besitzer werden vertraulich
behandelt und nicht an die Öffentlichkeit gelangen.
Erst kürzlich haben wir gezeigt, wie wirkungsvoll
diese Form der Erforschung von Erbkrankheiten ist.
In einer Gruppe von Zwerg-Rauhaardackeln aus Großbritannien
haben wir ein Gen identifiziert, welches in seiner
mutanten Form Epilepsie auslöst. 5 % aller Zwerg-Rauhaardackel
leiden an Epilepsie. Die identische Mutation im gleichen
Gen löst beim Menschen ebenfalls eine Form von
Epilepsie aus. Der Originaltext wurde im Science-Magazin
Januar 2005 veröffentlicht. (hier)
Anmerkung des Übersetzers:
Eine Zusammenfassung in deutscher Sprache ->
hier
1% der Menschheit ist
von Epilepsie betroffen. Die meisten Formen der humanen
Epilepsie sind polygene Störungen. Epilepsie
tritt 5 - 10 mal häufiger bei Hunden auf als
bei Menschen. Nur einige Epilepsiegene des Menschen
sind identifiziert worden, einige Dutzend zur vollständigen
Klärung der Krankheit werden noch benötigt.
Der hohe Anteil an Epilepsie in den verschiedensten
Hunderassen bietet eine hervorragende Möglichkeit,
mehr Gene zu identifizieren. Ein identifizierter Genlokus
kann direkt im Menschen getestet werden. Diese Art
der Forschung ermöglicht sowohl der Humanmedizin
als auch der Hundezucht einen Fortschritt in der Gesunderhaltung
in Bezug auf Epilepsie und andere gemeinsame Erbkrankheiten.
Wir wünschen uns
eine offene und fruchtbare Zusammenarbeit mit Hundebesitzern,
-züchtern und -liebhabern und wissen jeden Beitrag
zum Erfolg dieser Studie zu schätzen. Zusammen
können wir jetzt erreichen, daß sich die
Gesundheit unserer Rassehunde verbessert und wir auch
in Zukunft gesunde und glückliche Hunde haben
werden."
Hannes Lohi, Helsinki im Herbst
2006
Englischer
Originaltext: hier,
verantwortlich: Dr. Hannes Lohi

Dr. Hannes Lohi
Dozent & Academic Research Fellow
Biozentrum Helsinki
Universität Helsinki
Leiter des Canine-Epilepsie-Consortiums in Europa
Email: hannes.lohi (at) helsinki.fi
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